Kopfhörer Modding – Focal Elear und Lasmex H95

Modding, also das Modifizieren oder auch Verändern eines Produktes, gibt es natürlich auch bei Kopfhörern. Dabei geht es sowohl um Eingriffe in den mechanischen Aufbau des Kopfhörers selbst, um zum Beispiel fest eingebaute Kabel zu ersetzen oder Buchsen für austauschbare Kabel zu integrieren oder um den Tragekomfort zu erhöhen, als auch um die Anpassung der klanglichen Abstimmung an seinen ganz persönlichen Geschmack.

In diesem Artikel wird gezeigt, wie klangliche Veränderungen auf einfache Art aber auch mit sehr viel Aufwand erfolgreich umgesetzt werden können. Anhand der beiden Kopfhörer Focal Elar (Listenpreis 999€) und Lasmex H95 (oft um 40€ erhältlich) möchte ich zeigen, was bei beiden mit welchen Mitteln möglich ist.

Es können also nicht nur preiswerte und tendenziell eher „schlecht klingende“ Kopfhörer verbessert werden, sondern es geht darum ein Maximum an vorhandenem Potential zu nutzen. Das ist natürlich hoch subjektiv und individuell.

Los geht’s mit der einfachen Variante.

Modding durch einfaches Pad-Swapping – Focal Elear

Grundsätzlich ist der Austausch der Pads eines Kopfhörers die einfachste und auch zuerst durchzuführende Modifikation. Das ist natürlich keine Wissenschaft, doch durch die unterschiedlichen Eigenschaften der verschiedenen Pads stellen sich gelegentlich brauchbare Erfolge ein, die sich natürlich eher zufällig ergeben. Hier geht es in erster Linie darum, ob es gefällt, was man mit den anderen Pads hört. Beim Focal Elear habe ich das nicht anders gemacht. Bei diesen Tests stellte sich heraus, dass tatsächlich der Focal Elear noch ungeahnte Reserven hat. Ohne zu Suchen habe ich einen Mod für den Elear gefunden, mit dem er aus meiner Sicht sein komplettes Potential auch freisetzt.

 

Die Polster des Elear bestehen aus Memoryfoam und einer Art Mikrofaser als Oberfläche und sind unheimlich bequem. Beim Focal ist es einfach, andere Pads lose aufzulegen und mit diesen zu hören. Also habe ich begonnen meinen Brainwavz Pads mit dem Elear zu testen. Begonnen habe ich mit den Veolurs. Diese ließen den Elear einfach zu dunkel werden. Die Echt- und Kunstleder Pads haben dagegen den Elear deutlich heller ja schon überbetont im oberen Mittenbereich und im Hochton werden lassen. Das Echtleder klang dabei noch am angenehmsten. Doch sowohl die dunklere als auch die hellere Abstimmung haben mir nicht gefallen. Das war mir aber zuvor eigentlich schon klar, denn der Focal Elear ist für mich ab Werk ja schon hervorragend abgestimmt.

 

Am Ende habe ich die Hybrid Pads aufgelegt. Diese bestehen im Innenbereich aus perforiertem Kunstleder und im Auflagebereich aus Velours. Interessant ist der perforierte Innenbereich, den die Leder Pads nicht haben. Es ist anzunehmen, dass die Reflektionen mit diesen Pads anders sind. Zudem haben die Brainwavz Pads einen dünnen Stoff hinten über den Ring gespannt. Auch das sorgt sicherlich für feine tonale Änderungen. Ungeachtet dessen, ist der Stoff zudem ein schöner Staubschutz.

 

 

Ergebnis

Damit öffnet sich der Elear ein Stück. Er wird etwas räumlicher und klingt einen Hauch klarer und bringt mehr Tiefbass mit, so mein Höreindruck. Nachdem mir der Klang mit den Hybrid Brainwavz so gut gefallen hat, musste ich das natürlich auch visualisieren. Was sich genau verändert hat, das ist in dieser Vergleichsmessung schön zu sehen.

Tatsächlich ändert sich der Elear tonal nicht so extrem wie mit den anderen Brainwavz Pads. Jedoch wird er dunkler, das ist dem angehobenen Tiefbass um gut 8 dB und dem entstandenem Low-Shelf bis 300Hz geschuldet. Zugleich bringt dieses Setting eine moderate Betonung im Hochton im Bereich 8 bis 13 kHz mit sich bei gleichzeitiger Abschwächung der 7 kHz Spitze.  Auch die entstandene breitbandige Senke im Bereich 1 bis knapp 4 kHz rundet das Klangbild für mein Dafürhalten sehr schön ab.

Also allein durch das Austauschen der Pads sind selbst bei hochpreisigen Kopfhörern Klangveränderungen möglich, die einen Kopfhörer ganz individuell perfekt werden lassen können.

 

Visualisierung tonaler Abstimmung

Wem das Hören von Veränderungen nicht genug ist, oder verstehen möchte, welche Veränderung sich im klanglichen Empfinden wie auswirkt, der kommt um eine Messstation für Kopfhörer nicht umher. Die Messungen, die ich hier zeige, wurden mit einer DIY Messstation und der kostenfreien Software REW (Room EQ Wizard) erstellt. Wer mehr darüber wissen möchte, der findet hier auf Professor-X einen sehr guten Artikel, der sich sozusagen mit der Volks-Messtation für Kopfhörer beschäftigt.

Einfache Messstation für Bügelkopfhörer

 

 

Modding mit Hilfe einer Messstation – LASMEX H95

Der Lasmex H95 ist ein Kopfhörer, welcher im Rahmen PC-Zubehör auf den Markt gebracht wurde und ist mit seiner extremen Badewannenkurve beim Spielen sehr imposant. Für ernsthaftes Hören von Musik ist er im Urzustand eher nicht geeignet. Zu betont kommen die Bässe daher und zu scharf ist der Hochton.  Dennoch hat gerade dieser Kopfhörer einiges an Potential, denn im Hinblick auf Material und Verarbeitung braucht sich dieser Low-Cost-Kopfhörer nicht hinter auch mehreren hundert Euro teuren Kopfhörern verstecken. Der gesamte Kopfhörer ist sehr robust verarbeitet. Der Bügel ist weitestgehend aus Metall verarbeitet, lediglich die Gehäuse bestehen aus Kunststoff mit „Metallfinish“. Die Verarbeitung des Lasmex H95 ist insgesamt einwandfrei.

Wem der lilafarbene Dämpfungsstoff nach außen hin nicht gefällt, der kann ihn gern austauschen. Da aber alle Veränderungen für diesen speziellen Mod bewusst so gwählt wurden, dass das Gehäuse nicht zerlegt werden muss, bleibt die Farbgebung so, wie sie ist.

Noch wichtiger sind aber die inneren Werte des Lasmex H95, in dem Fall die verbauten Klangtreiber. Im H95 scheint der gleiche Typ dynamischer Lautsprecher zu werkeln wie in dem Philips Fidelio X2, der in der audiophilen Welt im Bereich der Kopfhörer für unter 500€ bekannt und auch sehr geschätzt ist. Deswegen orientiert sich im folgenden beschrieben Mod am X2.

 

Wieviel Potential steckt im Lasmex H95? Was ist machbar?

Hier ist zunächst die Messung im Originalzustand, um zu sehen, wo Änderungen wünschenswert sind.

Ich habe mich dafür entschieden, mit möglichst wenigen und für jeden verfügbaren Materialien sowie unter Beibehaltung der Originalpads eine handwerklich möglichst einfache Modifikation vorzunehmen, welche den Lasmex H95 mindestens auf Augenhöhe mit dem benannten Philips Fidelio X2 bringen soll. Dazu ist es nötig, den Buckel im Bassbereich zu begradigen, die Höhen etwas zu zähmen und insbesondere die Peaks bei 4 kHz und 8 kHz möglichst zu eliminieren. Zudem soll die Badewanne insgesamt deutlich flacher werden. Wenn das gelingt, dann dürfte der Lasmex H95 sogar noch besser werden als der X2… ein ehrgeiziges Ziel!

 

Gekonnt bedämpfen

Dieses Modding ist schon ziemlich komplex und einfaches Austauschen von Pads hilft nicht viel. Also habe ich zunächst den Aufbau der Gehäuse und der Dämpfung angesehen. Ich habe zunächst radikal alle Dämpfungen entfernt und mich mit den Asuwirkungen durch permanentes Messen der vorgenommenen Änderungen vertraut gemacht. Ohne Bedämpfung fehlt quasi jeglicher Bass unter 300Hz. Werden alle Belüftungen versiegelt, dann bekommt man einen astreinen Disco-Bassbomber, jedoch ohne ordentlichen Tiefbass. Irgendetwas dazwischen ist also angesagt. Zum Testen kann natürlich jegliches Material für das Abdecken verwendet werden. Da ich jedoch auch den Hochton bedämpfen möchte, habe ich mich für feinporiges Material entschieden, in dem Fall für einzelne Lagen eines handelsüblichen 4-lagigen-Spüllappens. Zellstofftaschentücher wären auch möglich gewesen, doch diese dämpfen den Hochton ab 10kHz zu stark. Diese Erkenntnisse sind es, für die eine Messstation für Kopfhörer bei dieser Art von Modifikation unumgänglich ist.

 

Die beiden genannten Peaks, 4 & 8 kHz, bleiben davon aber relativ unbeeinflusst. Es waren einige Stunden notwendig, um das Material Kaffeefilter herauszufinden und die Art und Weise, welcher Bereich des Treibers damit abgedeckt werden muss, um möglichst nur die Mitten zu beeinflussen. Die Kombination zu welchen Anteilen nun die verschiedenen Dämpfungen notwendig sind und sogar in welcher Reihenfolge diese aufgebracht werden ist das Ergebnis von vielen Messungen und viel Probehören. Im Fokus war dabei auch immer die Reproduzierbarkeit für den Nachbau durch den Laien, der über keine Messstation verfügt. Eine der Herausforderungen bei diesem DIY Projekt. Das Ergebnis sieht am Ende dann eher unspektakulär aus. Sehr gut.

 

Durch unterschiedlich viele Lagen und unterschiedliche Anzahl unterschiedlicher Scheiben ergibt sich eine eher warme oder neutrale Charakteristik, wie in folgenden Messungen im Vergleich zur ursprünglichen Abstimmung zu sehen ist.

 

Ergebnis

Definitiv klingt der Lasmex H95 um Welten besser als er direkt aus der Schachtel klingt. Selbst für Computerspiele ist er so immer noch sehr gut zu gebrauchen. Jedoch ist er insbesondere im „neutralen“Mod für jegliche Musikrichtung sehr gut zu gebrauchen. Der Hochton ist sehr präzise und detailliert. Ganz anders wie zuvor, das war einfach zu viel des Guten. Der Lasmex liegt hier auf Höhe des X2. Ab und an ist aber selbst dieser für meine Ohren etwas bissig und daher gibt es ja auch gleich noch die „warme“ Abstimmung. Im Bassbereich lässt der Lasmex H95 den Fidelio X2 sogar hinter sich. Schön linear hinunter bis 40 Hz und selbst bei 20Hz liegt er 10dB über dem X2 und macht insbesondere bei Jazz und besonders bei elektronischer Musik sogar mehr Spaß.

Hier noch der direkte Vergleich der Modifikation „neutral“ Lasmex H95 mit der Messung des Fidelio X2.

 

 

Nicht verheimlichen möchte ich, dass der Lasmex durch diese Dämpfungsmaßnahmen im Wirkungsgrad deutlich eingebüßt hat und somit auch ein Stück weit seine Einsatzmöglichkeit als mobiler Kopfhörer verliert. Zuvor konnte er problemlos auch an einem Smartphone sehr laut betrieben werden. Hier reicht es nur noch zu einer angenehmen Lautstärke etwas über „Zimmerlautstärke“ im Vergleich mit dem normalen Hörempfinden im Raum. Wer mehr Lautstärke benötigt, kann das natürlich mit einem Kopfhörerverstärker ausgleichen. Dann ist auch sehr laut kein Problem, die Treiber halten einiges aus.

Insgesamt ist das Ziel erreicht!

Der Lasmex H95 „Mod“ befindet sich mindestens auf Augenhöhe mit dem Philips Fidelio X2.

Zu guter Letzt…

 

Die vereinfachte Bauanleitung

Wer das alles nun nachmachen möchte, für den habe ich hier eine Collage der einzelnen Schritte zusammengestellt, quasi als vereinfachte Bauanleitung. Diese beinhaltet nicht das Abnehmen und Aufziehen der Ohrpolster, das darf jeder selbst für sich üben. 😉

 

Quellen:

Kopfhörer Modding Focal Elear – Was ist klanglich mit einfachen Mitteln möglich? 

 

Lasmex H-95 Kopfhörer Modding – Das DIY-Projekt – 1. Teil

 

Lasmex H-95 Kopfhörer Modding – Das DIY-Projekt – 2. Teil

 

 

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Technikbegeisterter Klangliebhaber

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