Vergleichstest TH-X00 Purple Heart vs HD650

Zu den beliebtesten Kopfhörern des Prof-X Forums im vergangenen Jahr gehörten diese beiden: Der Fostex/Massdrop TH-X00 und der Sennheiser HD650. Hier ein Beitrag aus dem Forum … es werden die beiden genannten, bassbetonten Hörer in einem intensiven und emotionalen Vergleich auf Stärken und Schwächen analysiert. Trotz oder vielleicht sogar wegen der etwas affektierten Beschreibung sehr lesenswert!

Darf ich vorstellen:
In der linken Ecke Fostex TH-x00 in der eleganten Pörple Heart Ausführung. Ein Dinosaurier, dieser zwar neu, aber nicht wirklich. Die Lady Pörple blickt auf einen langen Stammbaum zurück. Großvater Denon D7000, Mutter Fostex TH600. Alles alte Bekannte. Alles alte Freunde aus einer besseren Zeit. Die Lady hat ein leichtes Upgrade auf Brainwavz HM-5 Echtlederpolster, sonst wirkt sie fast jungfräulich. Keine Ecken, keine Macken, keine Lackschäden wie so manch andere Miss Pörple. Angetrieben wird sie von einem Ibasso DX-90.

In der rechten Ecke die Herausfordererin, ein Neuzugang, noch nicht mal richtig eingespielt will sie der Favoritin die Stirn bieten. Es handelt sich um Sennheiser HD 650, frisch aus dem nicht vorhandenen Karton. Noch in totalem Neuzustand, ohne Upgrades, Silikonpolster oder sonstige Spielereien wie Basotect im Loch. Frau H.D. Sennheiser 650 kommt also optisch eher nüchtern daher. Auch sie kann auf eine Ahnenreihe zurückblicken, aber weniger spektakulär als bei Lady Pörple sind alle ihre Vorgänger aus dem gleichen Haus und tragen die gleiche Nummer, die legendäre 650. Es gibt kleinere Schwestern, mit kleineren Nummern, die auch hübsch sind, sagt man. Und es gibt eine große Schwester, die so manchem das Fürchten lehrt. H.D. hängt an einem Ibasso DX-80.

Gehört habe ich (unter anderem, ich habe viel mehr gehört als ich aufschreiben mag)

— Black Sabbath – Black Sabbath von 1970

Regen, Kirchenglocke, Gewitter … und die erste Metal Scheibe der Musikgeschichte. Eine Messlatte für alle Hörer. H.D. bringt Ozzi auf eine wirklich unangestrengte Art rüber. Es ist alles da, die Stimmung dunkel wie sich das gehört. Pörple macht es anders. Da klingt schon der Regen heller und auch die Glocke. Dafür knallt die Musik los wie ein Donnerschlag. Das ist spektakulär. Was ist besser? Keine Ahnung, beides hat was. Wenn Ozzi loslegt „What is this that stands before me“ macht Pörple mir zwar Goosebumps. Aber ich weiß dass Ozzi so nicht klingt, so leicht nasal. Das macht H.D. besser.

— Al Jarreau & Joe Cocker – Lost and Found

Weniger spektakulärer Song, aber zwei interessante Stimmen. Hier kommt zuerst die Pörple zum Zug und macht alles richtig. Die beiden Jungs stellt sie dar wie es sein soll. Der Song hat sogar eine beeindruckende Bassline, die mir vorher nie so im Ohr war. The Devil had an arm around me. Genau das Gefühl – die Musik spielt in einer Spelunke mit interessanten Publikum und echtem Flair – unterstützt die Pörple. Was macht die H.D. daraus? Eine ganz andere Darstellung. Die beiden Jungs stehen auf der Bühne eines Konzertsaals. Irgendwie denke ich an Anzug und Krawatte und Reihen von brav klatschenden Publikum. I was in the wrong place at the right time.

— Jerry Garcia & David Grisman – Friend Of The Devil

Wunderbarer Song. H.D. glänzt und läßt sowohl Davids Mandoline und Jerrys Stimme hervorragend mitglänzen. Unglaublich was der Song kann mit diesem Hörer denke ich. Beim Wechsel auf Pörple nervt die zuerst, es dauert ein paar Sekunden bis es „einrastet“. Jerrys Stimme klingt erstmal nicht wirklich echt. Auch die Bassline kam bei H.D. besser. Pörple macht allerdings eine schönere Seperation, die Bühnenpositionen von Jerry und David sind deutlicher zu orten.

— Manu Katche – Bliss

Schlagzeug, Hammondorgel, Trompete und Saxophon … eine wunderbare Mischung des modernen Jazz, gefällt mir ausgesprochen gut, dieses Stück. Ich weiß vom letzten Mal, dass Pörple das kann dass einem Hören und Sehen vergeht. Sie singt und schwebt und bumst gleichzeitig. Und sie tut es jetzt wieder. Das ist geile Musik und noch geilere Darstellung. Organ-orgastisch. Wie kommt H.D. zurecht? Sie ist Königin der Bühne, diesmal hat sie da die Nase vorn. Damit hat es sich aber auch schon mit dem Zauber. Das fast schon sexuelle Erlebnis der Musik, das Pörple vermittelt, das schafft H.D. einfach nicht. Sie müht sich, aber der Funke springt nicht über. Keine Enttäuschung, aber eher Landleberwurst wo Foie Gras möglich gewesen wäre. Nicht falsch verstehen, Leberwurst ist auch lecker. Aber der letzte Kick … nein. Nicht bei Leberwurst.

Resümee

Frau H.D. Sennheiser 650 ist die deutlich seriösere Darstellerin. Sie wirkt in Gänze leicht dunkel, macht aber alles richtig. Und was sie macht, macht sie gut. Sie agiert locker, sehr ausgewogen. in gewisser Weise relaxed. Unangestrengt und unanstrengend. Gut und professionell in dem was sie tut, aber auch irgendwie leicht angestaubt. Ich habe Bedenken, die Frau wird mir irgendwann langweilig. Alles in allem haben wir es mit einer durchaus hübschen Darstellerin zu tun, die genau so rüber kommen will, wie sie eben ist. Ungeschminkt, unverfälscht echt. Natürliche Schönheit.

Tja und dann die Lady Pörple. Die absolute Verführung. Eine schöne Darstellerin, die sich aber nicht scheut, nachzuhelfen. Subtil aber deutlich geschminkt. Nicht plakativ, hohes Niveau der dargestellten Schönheit. Sicher auch ungeschminkt eine Ohrenweide, aber man kriegt sie eben nicht ungeschminkt vor die Ohren. Sie ist so eine, die nicht ohne Schminke aus dem Haus geht. Man hat Spaß mit ihr, sie bumst gut und kreischt auch wenn sie gefordert wird, so dass es manchmal nervt aber eigentlich irgendwie doch eine Freude ist. Die lebenslustige und geile Pörple ist im Prinzip das genaue Gegenstück zu der seriösen und echten H.D.

Wenn ich nur zwei Frauen … äh Hörer … haben dürfte, das wären diese beiden. Polarisierender kann Hören nicht sein. Der Abend hat richtig Spaß gemacht und war in gewisser Weise auch lehrreich. Eigentlich könnte ich alle anderen Hörer abgeben. Alles was HE-5LE, K812, LCD2, HE350, MA900 und wie sie alle heißen können, das polarisieren diese beiden auf ihre ureigene Weise. Und das tun sie richtig gut.

Hans

Hans

CEO und Erfinder bei OMGSound
Teamcaptain Professor X
Berater, Blogger, Forenbetreiber
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