Kopfhörer aus dem Baukasten? Geht das?

Bereits auf der letzten CanJam Europe in Essen wurde ein neues Produktkonzept für Kopfhörer vorgestellt. In einem innovativen Forschungs- und Entwicklungsprojekt arbeiten Wissenschaftler und Designer an einem neuartigen Hörer, der es schafft, ein hochwertiges Klangbild mit individuellem Style zu verbinden. Die Protagonisten haben das Projekt mit dem Arbeitstitel „OMG Sound“ benannt und zwei Prototypen namens Acedia und Invidia vorgestellt. 

Die beiden Varianten – Acedia, ein offener Magnetostat und Invidia, ein geschlossener Dynamiker – bestechen auf den ersten Blick optisch und haptisch mit einem soliden Aufbau und hinterlassen einen hochwertigen Eindruck. Beide Hörer sind von der Mechanik her ähnlich aufgebaut, die Höhenverstellung geschieht durch einen rastenden Mechanismus, der sich jedoch auch in Zwischenstellungen der Raster fixieren lässt und so für einen angenehmen Tragekomfort und den genau richtigen Anpressdruck unabhängig von Kopfform und -größe sorgt.

Die beiden Exponate auf der CanJam stellen dabei quasi nur die Spitze eines Eisbergs dar. Grundlage für das neue Kopfhörerkonzept ist ein umfassendes Baukastensystem, mit dem auf der Basis von verschiedenen Bau- und Halbfertigteilen in kürzester Zeit ein individueller Hörer nach Kundenwunsch montiert werden kann. „Rechnerisch kommt man auf mehrere Zehntausend mögliche Varianten.“, erklärt der Projektleiter, der übrigens Mitglied des prof-x.de Forums ist. „Der Schlüssel zur individuellen Herstellung“, sagt dieser, „ist eine saubere Definition mechanischer und akustischer Schnittstellen. Wir wollen, dass jeder Kunde den Hörer erhält, nach dem er schon lange sucht. Offen oder geschlossen. Leder oder Velours. Kunststoff oder Holz. Rot oder Schwarz. Auch technisch: Magnetostat oder Dynamiker. Auch klanglich: Jazz oder Techno. Rock oder Klassik. Unser Leitsatz lautet: Get Ready For Customization.“

Wir haben natürlich die Chance genutzt, beide Hörer ausgiebig einem Hörtest zu unterziehen. Der offene OMG Acedia mit magnetostatischem Planartreiber besticht sofort durch seine sehr filigrane und dennoch kraftvolle Spielweise und die enorme Auflösung, die für Magnetostaten typisch ist. Die Abstimmung ist eher neutral. Ein ideales Gerät für das Jazztrio nach Feierabend oder das Klavierkonzert vor dem Kamin. Der Hörer schält jedes subtile Detail heraus und man entdeckt immer neue Feinheiten in der Musik. Wunderbar.

Der geschlossene OMG Invidia ist das lebenslustige Gegenstück des offenen Planarmagnetostaten OMG Acedia. In den Schalen werkelt ein dynamischer Treiber und diese Konstruktion liefert eine unglaublich treue Wiedergabe bei deutlichem und klarem Bass ab. Dieser Bass. Sicherlich etwas angehoben. Knorrig und trocken. Federnd. Das macht Spaß. Die Mitten sind dennoch sauber und die Höhen zwar zurückhaltend, aber präsent. Die Zielgruppe des OMG Invidia ist eine andere als die des OMG Acedia, aber keinen Deut weniger anspruchsvoll was den Klang angeht.

Es ist kaum zu glauben, dass diese beiden Hörer quasi aus einer Familie stammen. So ähnlich sie aussehen, so verschieden sind sie in der jeweils klanglichen hochwertigen Darstellung. Der Baukastens soll weiter entwickelt und auf der kommenden CanJam in Berlin erneut präsentiert werden. Wir bleiben dran und werden das Projekt weiter verfolgen.

Hans

Hans

CEO und Erfinder bei OMGSound
Teamcaptain Professor X
Berater, Blogger, Forenbetreiber
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