Frischzellenkur: STAX Lambda Signature

Ältere Stax Lambda Hörer findet man recht oft im Gebrauchtmarkt. Da diese Hörer dann aber oft 20, 30 oder noch mehr Jahre alt sind, ist der Zustand bisweilen fragwürdig. Zumal sich hartnäckig das Gerücht hält, so ein Stax Lambda sei nach dieser Zeit am Ende seines Lebenszyklus angelangt. Dominik berichtet sehr detailliert über die Restauration seines Stax Lambda Signature. Diese “Ur-Signature”-Serie wurde in den 80er Jahren hergestellt. Am Ende des Projekts sehen wir einen wunderschönen Stax aus einer frühen Lambda Generation mit einem immer noch überzeugenden Klang. Ein Hörer, der bestimmt noch viele Jahre Spaß machen wird. 

Manchmal ist man der Hund, manchmal ist man der Baum – oder so. Vor einigen Monaten habe ich in UK ein geniales STAX-Set, bestehend aus einem SRM-T1 Amp und einem Lambda Signature Kopfhörer, geschossen. Im T1 sind originale Röhren von General Electric verbaut, genau wie bei der Auslieferung in den 80ern. Diese Röhren hier sind allerdings NOS und eingemessen – besser geht es also schlichtweg nicht. Das Gerät erscheint wenig benutzt zu sein, ich konnte und kann mein Glück kaum fassen. Zum SRM-T1 gibt es übrigens auf Prof-X einen eigenen Diskussionsthread.

Leider hatte der wirklich genial gute Preis für das Set gewissermaßen seinen Preis, wenn man so will. Wie sich herausgestellt hat, braucht der Lambda Signature nämlich dringend eine Überholung …

Wie ich dabei vorgegangen bin, beschreibe ich in diesem Beitrag.

Bei dieser Überholung kommt, wie gesagt, ein Lambda Signature im Originalzustand auf den OP-Tisch. Der Hörer sieht insgesamt äußerlich recht gut aus, mindestens auf einer Seite hat sich aber leider der Treiber von der Trägerplatte gelöst, was sich in einer stark verringerten Basswidergabe äußert. Polster und Kopfband haben auch schon ein bisschen gelebt, insgesamt aber alles halb so wild (hoffte ich).

Noch vor dem Zerlegen habe ich mir zwei Paare Polster bestellt. Einmal EP-234BR in braunem Kunstleder, einmal EP-507 in schwarzem Echtleder. Gefühlt möchte ich den Signature am liebsten im Originalzustand belassen, vielleicht teste ich die schwarzen Echtlederpolster aber auch mal. Überflüssig sind sie auf jeden Fall nicht, denn ich habe weitere Kandidaten, denen in Zukunft eine Überholung blühen könnte.

Los geht es mit dem Trennen von Kopfbügel und Gehäusen. Dazu müssen einfach die schmalen Bügel vorsichtig seitlich auseinander gezogen werden, schon fällt einem das Gehäuse entgegen. Man tut also gut daran, das Gehäuse schon vor dem Absturz abzulegen.

Werkzeuglos und innerhalb weniger Sekunden erreicht man diesen Zustand:

Auch wenn man beim anschließenden Abheben der Polster sehr vorsichtig vorgeht, kann einem passieren, was man hier sehen kann:

Wie man erkennen kann, haben sich die alten Klebepads schon teilweise verflüssigt, eine richtig widerliche Schmiere ist das. Obwohl die Polster auf den ersten Blick noch ganz gut aussahen, sind sie schon zu Beginng der Demontage ziemlich zerbröselt. Der Wettstreit Kunstleder gegen Zeit kennt nur einen Sieger.

Und hier kommen wir schon zu des Pudels Kern: Innerhalb des gelben Rahmens kann man mit etwas Fantasie die Lücke zwischen Treiber und Trägerplatte erkennen, die so von den Konstrukteuren nicht vorgesehen ist und für den massiven Verlust des Pegels im Bassbereich sorgt.

Weiter geht es mit dem Zerlegen des Kopfbügels. Zuerst werden auf jeder Seite des Kopfbandes zwei kleine Kreuzschlitz-Schrauben vorsichtig gelöst. Vorsicht, eine kleine Feder kann einem dabei entgegen springen. Diese kleine Feder drückt im zusammengebauten Zustand eine flache Kunststoffplatte von innen gegen den massiven Teil des Kopfbügels und erhöht so die Reibung.

Das Kopfband ist ebenfalls ein Fall für die Tonne, ich habe mir direkt bei fair-kaeuflich.de zwei neue in braun bzw. schwarz bestellt.

Etwas Vorsicht ist auch geboten beim Entfernen der kleinen Schildchen mit dem L, R bzw. SR Lambda Aufruck. Auch hier hat sich das Klebermaterial in eine Schmiere verwandelt.

Die Einzelteile habe ich direkt in einer flachen Schale mit etwas warmem Wasser und Spüli gewaschen.

Zum Schluss nochmal alles gut mit Wasser abgespült und dann zum Trocknen auf ein Küchentuch gelegt. Genau gleich bin ich beim eigentlichen Kopfbügel und den Bügeln vorgegangen, die die Gehäuse tragen. In einer etwas größere Schüssel ging dank der Unterstützung einer alten Zahnbürste doch einiger Schmutz runter. Ich hatte das schon ein paar mal in verschiedenen Zusammenhängen geschrieben, es sei an dieser Stelle trotzdem nochmals ventiliert: Auch bei scheinbar sauberen Teilen des Equipments (Kopfhörern, Verstärkern, Kabeln, etc.) geht normalerweise richtig Schmutz runter. Wem eine Vollrestauration zu viel ist, dem rate ich dennoch zu einer gründlichen Reinigung. Es hört sich meiner Meinung nach sehr viel befreiter, wenn die Hygiene sichergestellt ist – kein Scherz.
 
Die kleinen Metallteile wurden mit etwas Reinigungsbenzin abgewaschen und ebenfalls zum Trocknen ausgelegt.
 
Warum eine komplette Überholung nötig ist, wird bei Betrachtung des folgenden Bildes sehr leicht klar. Das schwarze, glänzende Material ist der glibberige Kleber. Die folgenden Schritte erkläre ich nur an einem Gehäuse, mit dem zweiten bitte entsprechend verfahren.
 
 
Das Gehäuse wird von 4 Schrauben an der schwarzen, metallischen Trägerplatte gehalten. An diese kommt man allerdings nur ran, wenn man einen Teil des Glibbers entfernt. Dazu eignet sich ein schlankes Cuttermesser.
 
 
Nach dem Entfernen aller Schrauben lassen sich Gehäuse und Trägerplatte trennen. Auch hier sieht man sehr deutlich den Spalt zwischen Treiber und Trägerplatte, der so nicht normal ist.
 
 
Ganz zerlegt sieht das dann so aus:
 
 
Mit dem zerbröselnden Schaumstoff ist natürlich nichts mehr anzufangen. Mit ganz wenig Handkraft löst sich das Treibersandwich von der Trägerplatte.
 
 
Zur Reinigung der Treiber müssen die metallischen Schutzgitter auf der Ohrseite entfernt werden. Dazu wird einfach an der im Bild zu erkennenden Stelle mit einem schmalen, scharfen Messer die Klebestelle aufgetrennt.
 
 
Dabei ist es ratsam, äußerste Vorsicht walten zu lassen. Verletzt man bei dieser Aktion die Staubschutzfolie ist es wohl eine Frage der Zeit, bis sich der Treiber aus dem Hier und Jetzt verabschiedet! Das Ergebnis dieser Tätigkeit sieht man hier. Gut zu erkennen sind die Klebereste und Schmutzkrümel.
 
 
So sieht das “nackte” Treiberpaar vor dem Entfernen der Verschmutzungen aus. Diese Krümel sind zum Teil die Rest des zum Verfallen neigenden Schaumstoffs.
 
 
Alle bereits zerlegten Teile der Gehäuse und Treiber habe ich gründlich mit Seifenwasser und einer Zahnbürste gewaschen. Danach noch schnell mit klarem Wasser abgspült und in der Sonne trocknen lassen. Die kleinen Klebepads im Inneren der Gehäuse, die normalerweise den hier bereits entfernten Staubschutz halten, werden natürlich ebenfalls entfernt.
 
 
Zur Reinigung der Treiber verwende ich eine stumpfe, dicke Pinzette und einen weichen Naturhaarpinsel. Es ist aber höchste Vorsicht geboten, die Folien sind extrem dünn! Mit den genannten Hilfsmitteln bekommen man praktisch alle Verschmutzungen weg, auch solche, die leicht angeklebt sind.
 
 

Soweit zum Zerlegen und Reinigen, kommen wir nun zum Zusammenbau – fast wie in einer Kochshow… Es braucht nur der schmale Rand der Staubschutzfolie in einer dünnen aber ununterbrochenen (wichtig!) Linie mit Klebstoff bestrichen werden. Ich verwende dafür, wie fast immer, Pattex Multi. Im Prof-X Forum kann man sehen, wie ich das bei meinem SR-303 Classic gemacht hatte: viewtopic.php?f=4&t=222#p3312

Danach braucht nur noch das metallische Gitter in den schwarzen Rahmen vorsichtig und gerade auf den mit Klebstoff bestrichenen Rahmen der Staubschutzfolie gelegt werden. Die Seite, bei denen die Rahmen innen über eine Fase verfügen, gehört nach oben, also in Richtung des Ohres.

 
 
Das ganze Paket wird zum Trocknen etwas fixiert und bleibt über Nacht so liegen.
 
 
Die Spalte zwischen dem Schutzgitter und dem eigentlich Treiberaufbau habe ich nach dem Aushärten des Klebers zusätzlich äußerlich mit einer dünnen Schicht Klebstoff bestrichen. Das ist dicht :top:
 
 
Danach habe ich mich daran gemacht, das braune Kopfband an den Signature zu montieren. Los geht es mit diesen Halterungen für das Kopfband. Die metallischen Scheibchen müssen in das dafür vorgesehene Loch eingeklebt werden.
 
 
Danach wird das Band durch den Spalt gefädelt, den die Halterung aufweist. Die glatte Seite des Bandes gehört nach oben.
 
 
Das kleine, schwarze Reibplättchen wird mit dem daran angebrachten Schaft von unten durch das Loch des Kopfbandes geschoben.
 
 
Die kleine Spiralfeder wird in den Schaft des Reibplättchens geschoben. Die Teile werden dann einfach so zusammengefaltet, dass die Feder sich auf dem runden, eingeklebten Metallplättchen abstützt. Das Kopfband dient an dieser Stelle gewissermaßen als Scharnier.
 
Danach kann die gesamte Kopfband-Konstruktion wieder zusammengebaut werden. Dazu habe ich abschließend die insgesamt 4 Schildchen mit den “L”, “R” und “SR Λ” Aufdrucken wieder mit Pattex Multi an den Kopfbügel geklebt. Sieht überzeugend und schon fast wieder nach einem Kopfhörer aus, finde ich:
 
Weiter geht es mit der Montage der Treiber. Die beiden Trägerplatten werden erstmal gründlich gereinigt. Danach werden sie im Bereich, wo später der Treiber aufgeklebt wird, mit einem feinen Schleifpapier leicht aufgerauht. Zur Orientierung: Die Kegelsenkungen der 4 Schraubenlöcher gehören später nach oben. Anschließend nochmals eine kurze aber gründliche Reinigung, abtrocknen lassen – fertig.
 
 
Danach werden auch die Rahmen der Schutzgitter, die bereits auf die Treiber geklebt wurden, gründlich gereinigt und mit einer dünnen, durchgehenden Schicht Klebstoff bestrichen.
 
 
Abschließend werden die Trägerplatten mit den Kegelsenkungen nach oben auf die vorbereiteten Treiber gelegt und vorsichtig platziert. Die Trägerplatten sind nicht symmetrisch, d.h. ihr müsst darauf achten, die Seite in Richtung des Kabels zeigen zu lassen, in die ein rechteckiges Loch eingestanzt wurde. Im Bild kann man das mit etwas Fantasie erkennen.
 
 
Heute habe ich die Platten mit etwas Geistreichem beschwert, geht aber natürlich auch z.B. mit Wasserflaschen :sheep:
 
Nachdem der Klebstoff angezogen hat, kann das gesamte Paket gewendet werden. So bietet sich die Möglichkeit, mit einer durchgehenden Spur Klebers einen soliden Übergang zwischen Treibersandwich und Trägerplatte herzustellen. Bringt mechanisch etwas Sicherheit und garantiert die für das Wirkprinzip dieses Hörers wichtige Dichtigkeit. Die Gewichte bleiben über Nacht auf den Systemen stehen.
 
 
Jetzt kommen wir zu dem Arbeitsschritt, bei dem ich mich selbst am meisten schwer getan habe. Wie man beim Zerlegen des Hörers sehen konnte, ist der Staubschutz über die Jahre vollkommen zerbröselt. Einer Empfehlung folgend verwende ich anstatt dieser anfälligen Schaumstoffmatten einen feinmaschigen, akustisch völlig und optisch fast völlig transparenten Stoff, der ebenfalls vor Staub schützt. Das Material nennt sich Organza und ist in viele verschiedenen Farben und Mustern erhältlich. Bei diesem Vorhaben kommt natürlich nur schwarzer Stoff in Frage, klar.
 
Hier sieht man die Gehäuse, in die ich bereits die Stücke doppelseitigen Klebebandes geklebt habe, die später den Organza-Stoff fixieren. Wie zu erkennen ist, verwende ich gegenüber der Werksbestückung viel mehr dieses tollen Materials.
 
 
Beim Zuschneiden des Stoffes behelfe ich mir mit einer einfachen Schablone. Diese habe ich auf Basis der Innenmaße der Gehäuse angefertigt, die glücklicherweise symmetrisch sind. Mit einem sehr scharfen (!) Skalpell erfolgt der Zuschnitt ohne große Schwierigkeiten.
 
 
Hier sieht man ein Gehäuse mit (links), das zweite noch ohne Organza-Stoff.
 
 
Sind die Gehäuse mit Stoff ausgestattet, kann die Trägerplatte inkl. Treiber wieder motiert werden. Es ist darauf zu achten, dass der Knickschutz des Kabels mit seiner runden Seite hin zur dünneren Seite des Gehäuses zeigt.
 
 
Abschließend sieht man, wofür die rechteckigen Aussparungen in den Trägerplatten gut sind. Denn in sie greifen die Nasen des Kabels, wodurch es ohne Schrauben fixiert werden kann.
 
 
Danach wird die Oberfläche der Treiberträger gründlich gereinigt. Ich habe dafür ein Reinigungsbenzin verwendet. Es ist dringend ratsam, darauf zu achten, dass von diesem Reinigunsmittel nichts an den Treiber bzw. dessen Staubschutzfolie gerät. Danach wird den den Polstern beiliegenden Klebepads eine Schutzfolie entfernt und das Pad vorsichtig und glatt auf die Trägerplatte geklebt. Danach wird die nach oben zeigende Schutzfolie entfernt und dann das Polster aufgedrückt.
 
 
Die Polster sind nicht identisch, es gibt ein rechtes und ein linkes. Beide sind so zu platzieren, dass die dickste Stelle nach hinten unten zeigt, sich also hinter dem Ohr des Hörenden befindet. Es empfiehlt sich, mit dem Aufkleben an diesen Ecken anzufangen und sich dann langsam und vor allem gleichzeitig an der kurzen und der langen Seite voran zu arbeiten. Alles nochmal gut zusammendrücken und sauber machen, auch das bereits “saubere Kabel”,
 
 
schon hat man einen überholten STAX Lambda Signature in Händen.
 
 
Trommelwirbel…
 
 
 
Und so misst sich das gute Stück nach der ganzen Aktion:
 
Dominik

Dominik

Moderator Professor X
Überzeugter DIYer, Kopfhörersympathisant, Musiker, Blogger
Dominik

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