RS100 Needle Mini DIY Lautsprecher

Was haben moderne SmartTVs mit audiophiler Musikwiedergabe zu tun? Rein gar nichts, so zumindest meine Erfahrung. Die im TV integrierten Lautsprecher sind noch nicht einmal für eine verständliche Sprachausgabe ausreichend. Natürlich gibt es auch für diesen Bedarfsfall der ersten Welt fertig zu kaufende Lösungen diverser Größen der Multimedia-Branche, die unter Begriffen wie Soundbar, o.ä. vermarktet werden.

Wer etwas spezifischere Anforderungen und Spaß an der handwerklichen Umsetzung hat, greift am besten zu einer DIY-Lösung – quasi wie immer 🙂

Der im Anschluss beschriebene Bau eines Boxenpaares basiert technisch auf einem Bauvorschlag von Udo Wohlgemuth, einem der buntesten Hunde im Bereich des Lautsprecherbaus. Das meine ich durchweg positiv! Unter der Bezeichnung RS 100 PC ist auf seiner Website Lautsprecherbau.de ein vollständiger Bauvorschlag für ein paar kleiner Breitbandlautsprecher geringen Bauvolumens zu finden. Der Name ergibt sich übrigens aus dem verwendeten Lautsprecher, dem RS100-4 von Dayton Audio.

Auf der Suche nach einer Lösung auf Lautsprecherbau.de stieß ich auf eine Soundbar mit Seas-Bestückung, die allerdings mein geplantes Budget überstieg. Kurzerhand entschloss ich darum, die günstige Technik der RS 100 PC in einem gemeinsamen Gehäuse unterzubringen. Nach kurzen Berechnungen brachte ich eine Skizze “zu Papier”, die die Technik eines Paares RS 100 PC in einem gemeinsamen Gehäuse unterbrachte, das einerseits sehr flach, andererseits relativ tief war.

Da ist eigentlich an alles gedacht. Der komplette Bausatz, der direkt bei Udo bestellt werden kann, passt hier direkt rein. Von vorne gesehen in der Mitte ist Platz für einen kleinen Verstärker, die Kabel können schön versteckt verlegt werden.

Ich entschloss mich schon beim Abschluss aller Vorarbeiten gegen den Bau dieser Soundbar. Wer die Maße der Soundbar bzw. der einzelnen Bretter haben möchte, darf gerne Kontakt mir mit aufnehmen. Einerseits wollte ich den Fernseher nicht höher stehen haben, außerdem tat ich mich gedanklich schwer damit, die Lautsprecher so deutlich unterhalb des Bildes zu platzieren.

Da ich kein Freund von Boxen auf Ständern bin, habe ich stattdessen die ursprüngliche Form der RS 100 PC komplett überarbeitet. Unter Beibehaltung des Volumens habe ich den Boxen einen von oben gesehen quadratischen Grundriss mit minimalen Kantenlängen verpasst. Die Höhe nahm dadurch zwangsweise zu, logisch. Für eine noch schmalere Gestalt verwendete ich ausschließlich MDF in 10mm Stärke. Um die Länge des Reflexkanals nicht zu verändern, verschob ich die Öffnung dessen nach unten, der Kanal ist also jetzt senkrecht unmittelbar hinter der Schallwand. Die Querschnittsfläche des Kanals blieb natürlich gleich. Vor der handwerklichen Umsetzung habe ich natürlich auch hier wieder ein CAD-Modell erstellt:

Diesem “neuen Design” verpasste ich den Namen Needle Mini. Natürlich sind die tatsächlichen Gemeinsamkeiten mit dem ursprünglichen Entwurf der Needle überschaubar, das äußere Erscheinungsbild ist aber ähnlich. Während die echte Needle ein TQWT-Gehäuseprinzip verwendet, nutzt die Mini ein Bassreflexprinzip. Damit der dadurch notwendige, nach unten gerichtete Reflexkanal frei “atmen” kann, habe ich direkt unterhalb des Arbeitsvolumens der Lautsprecher einen Fuß in die Gestalt integriert. Die Höhe wählte ich so, dass die Chassis sich auf der Höhe der Mitte meines SmartTVs auf seinem Schränkchen befanden. Die Höhe dieses Fußes ist natürlich innerhalb gewisser Grenzen frei wählbar.

Mit einem Einkauf im Baumarkt des Vertrauens ging es los. Die Angaben beziehen sich auf ein Lautsprecherpaar.

 

Material: 10mm MDF

4 Stk.              800 x 130                  Seiten

2 Stk.              120 x 110                   Deckel

2 Stk.              110 x 97                     Boden

2 Stk.              446 x 110                   Rückwand

2 Stk.              456 x 110                   Front

2 Stk.              164 x 110                   Reflexbrett

2 Stk.              110 x 130                   Fuß

 

Auf folgende Art und Weise gehören diese Bretter zusammengeleimt, z.B. mit Ponal Classic.

 

Die runden Ausschnitte für die Lautsprecher und die Löcher für die Polklemmen bringt man natürlich am besten vor dem Verleimen an, das geht wesentlich einfacher von der Hand. Wer möchte kann die Lautsprecher auch leicht einsenken, viel Spielraum bleibt wegen der geringen Materialstärke des MDF aber nicht.

Diese Polklemmen sind nicht Bestandteil des Bausatzes der RS 100 PC und müssen ggf. separat erworben werden.

Ich habe mich bei meinen Needle Mini exakt an den Schaltplan von Lautsprecherbau.de gehalten. Alle Teile sind in dem Bausatz enthalten und brauchen nur gemäß dieses Plans zusammengelötet werden. Natürlich sind alle Einzelteile auch einzeln erhältlich. Welche Werte die einzelnen Komponenten aufweisen darf und will ich hier nicht darstellen. So ein Saugkreis ist aber grundsätzlich nicht über die Maße kompliziert. Hier geht es zu einem einfachen Rechner: Saugkreis Rechner

Für das Leimen legt man am besten zunächst eine der Seitenwände flach auf einen ebenen Untergrund und stellt dann die anderen Bretter im rechten Winkel darauf. Wichtig ist, dass sämtliche Lücken zwischen den Brettern möglichst luftdicht ausgeführt werden.

Bevor die zweite Seitenwand aufgelegt werden kann, müssen die beiden Kabel zum Chassis durch die dafür vorgesehene Bohrung gezogen werden. Darüber hinaus werden schmale Streifen Sonofil für die Bedämpfung des Gehäuses verwendet. Die notwendige Menge ist ebenfalls in dem bereits mehrfach erwähnten Bausatz enthalten.

Das ganze Paket wird etwas beschwert, nochmals sauber rechtwinkelig ausgerichtet und dann über Nacht liegen gelassen.

Anschließend werden die Chassis in die dafür vorgesehene Öffnung gelegt und korrekt platziert. Dann werden bezogen auf die Befestigungslöcher der Chassis mittig z.B. mit einem Bleistift auf der MDF-Oberfläche Markierungen angebracht. Und dann kann auch schon gebohrt werden, was zwischendurch ungefähr so aussehen kann:

Bevor die Chassis aber eingelötet und verschraubt werden, sollten beide Gehäuse sauber geschliffen und lackiert werden – sofern das erwünscht ist 🙂 Ich habe mich für einen dunkelroten Farbon mit einem schwarzen Detail entschieden.

Im Einsatz sieht das Ergebnis dieses Bauvorhabens schließlich so aus, stilecht mit Heizkörper.

 

Schon seit über 3 Jahren beschallen diese beiden schlanken Lautsprecher mein Wohnzimmer und ersparen meinen geschundenen Ohren den miesen Klang der integrierten Lautsprecher meines SmartTVs.

Wer mag, darf den Nachbau selbstverständlich gerne wagen, wie immer. Diskussionen zum Thema können im Prof-X Forum hier geführt werden: RS100 Needle Mini von Firschi – irgendwie… Auch Fragen werden möglichst zeitnah beantwortet, Ehrensache 🙂

Dominik

Dominik

Moderator Professor X
Überzeugter DIYer, Kopfhörersympathisant, Musiker, Blogger
Dominik

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