Meier Corda – Das SOUL Projekt

Die Mission von MEIER-AUDIO bestand immer darin, Kopfhörerverstärker mit einem optimalen Preis-Leistungs-Verhältnis herzustellen. Es war nie das Ziel, den besten aller Kopfhörerverstärker zu machen, sondern die Absicht war, das Beste zu produzieren, was man für sein Geld bekommen kann. In diesem Projekt verfolgt Jan Meier einen anderen Ansatz: Er will ohne primären Bezug zu Kosten einen der besten DAC-KHV in der digitalen Domäne entwickeln. Ich konnte mir den Prototypen vor ein paar Tagen mal ansehen. 

Im letzten Jahrzehnt haben sich die technischen Standards der Spitzen-Kopfhörer erheblich verbessert. Dabei sind die Preise leider entsprechend explodiert. Es ist Zeit, an der Verstärkerseite nachzuziehen, damit diese Kopfhörerboliden endlich den Antrieb bekommen, den sie verdienen. 

Jan Meier hat dazu viele technische Ideen in die Entwicklung eines neuen Kopfhörerverstärkers eingebracht. Das Konzept heißt SOUL, ich habe den Prototypen mit Sennheiser HD800S und OMG Acedia 40 ausgiebig testen können und  ja … es ist wirklich zum staunen. Für mich ein geniales Konzept, voll digital und ausgangsseitig einer der besten Kopfhörerverstärker im symmetrischen Betrieb. 

Der SOUL kombiniert nicht nur einen DAC (Digital-Analog-Wandler) und einen Kopfhörerverstärker zu einem Gerät, sondern hat auch einen eingebauten DSP (Digital Signal Processor). Somit können die digitalen Eingangssignale verarbeitet werden, bevor sie von der DAC-Sektion in ein analoges Signal umgewandelt werden. Der DSP arbeitet mit 64-Bit-Präzision und ermöglicht so die Implementierung von Klangreglern, Balance-Reglern, Crossfeeds und einigen anderen Funktionen mit einer Präzision, die mit keinem analogen Schaltkreis möglich wäre. Außerdem ist es wichtig, dass der DSP es ermöglicht, die erste Stufe der Meierschen FF-Technik in die digitale Domäne vorzuschieben. Somit profitieren sowohl die DA-Wandlungsstufe als auch die Analogstufen der DAC-Sektion voll von der FF-Technik, was die Klangqualität erheblich verbessert.

Die Rückseite der SOUL wird ziemlich geradlinig gestaltet sein. Der DAC verfügt über einen USB-Eingang (bis zu 24/192), zwei optische und zwei koaxiale Eingänge. Es gibt auch einen optischen Ausgang, der das verarbeitete Digitalsignal bereitstellt, so dass man die Klangregelungen und den Crossfeed der SOUL verwenden kann. Zum Beispiel, um die DA-Umwandlung und Verstärkung an anderer Stelle durchführen zu können. Der SOUL verfügt außerdem über symmetrische, volumengesteuerte Ausgänge und kann als Vorverstärker zum Ansteuern von aktiven Lautsprechern oder eines Leistungsverstärkers dienen. Ich habe hier sofort an meinen geliebten STAX T1 gedacht. Ein kleiner Schalter ermöglicht die manuelle Aktivierung der De-Emphasis und die Deaktivierung der linken oder rechten Soundkanäle, um die verschiedenen Einstellungen des Crossfeeds zu testen.

Ob es die im Prototyp realisierten analogen Eingänge rechts unten bis in das Serienmodell schaffen, ist noch offen.

Auf der Vorderseite des SOUL findet man eine größere Anzahl an Bedienelementen, was die Vielseitigkeit des Verstärkers unterstreicht.

Ganz links der Drehschalter für das Crossfeed. In der oberen, neutralen Position ist der Ausgang einfach Stereo. Der Kopfhörer-Crossfeed lässt sich dann in 5 Stufen aktivieren. Dreht man den Regler in die Gegenrichtung, wird der Lautsprecher-Crossfeed aktiviert, ebenfalls 5-stufig. Der Lautsprecher-Crossfeed erweitert die Klangbühne von Lautsprechern und ist besonders nützlich, wenn Lautsprecher relativ nahe beieinander platziert werden.

Der zweite Drehschalter von links hat drei verschiedene Funktionen, abhängig von der Stellung des Crossfeed Drehschalters daneben. Bei aktiviertem Lautsprecher-Crossfeed kann mit diesem Drehregler die Verzögerungszeit zwischen dem direkten Signal und dem Crossfeed-Signal optimiert werden. Die optimale Verzögerungszeit hängt stark von der Position und der Winkel-Anordnung der Lautsprecher sowie der Größe des Kopfes des Hörers ab. Im Stereo- oder Kopfhörer-Crossfeed-Modus und mit dem Kippschalter rechts neben dem zweiten Drehschalter in der unteren Position steuert der Drehschalter die Kanalbalance. Menschen mit schlechtem Gehör können so unterschiedliche Empfindlichkeiten ihrer Ohren ausgleichen. Im Stereo- oder Kopfhörer-Crossfeed-Modus und mit dem Kippschalter rechts in der oberen Position steuert der Drehschalter die Mittenfrequenz eines schmalbandigen 6dB Notchfilters.

Viele  Kopfhörer haben aufgrund des eingeschlossenen Luftvolumens zwischen Treiber und Ohr unterschiedliche Resonanzfrequenzen im Bereich von 6 bis 11 kHz. Bei richtiger Anwendung des Kerbfilters kann die Energie bei der Resonanzfrequenz abfallen. Tests mit dem Sennheiser HD800S waren sehr überzeugend und führen zu einer bemerkenswerten Verbesserung der Klangqualität.

Acht LEDs zeigen die Abtastfrequenz, die Bitauflösung und den Emphasis des eingehenden Signals an. Besonders bei Computer-Audio ist dies eine große Hilfe, um die Software-Einstellungen zu überprüfen.

Ein Schalter rechts von den LEDs erlaubt es, die Filtereinstellungen des verwendeten DAC-Chips zu ändern. Man kann zwischen klassischer phasenkorrekter Filterung und einem Filter-Modus mit etwas weicherem, mehr analogem Klang wählen.

Rechts können vier Drehregler zur Klangregelung im Bereich +/- 4 dB verwendet werden:

LLF für Frequenzen unter 170 Hz
LF für Frequenzen unter 500 Hz
HF für Frequenzen über 1,5 kHz
HHF für Frequenzen über 4,5 kHz

 

Der Verstärker hat zwei Kopfhörerausgänge, einen mit 120 Ohm Ausgangsimpedanz und einen mit 0 Ohm Ausgangsimpedanz. Die Ausgangsimpedanz des ersten Ausgangs kann bei Bedarf verringert werden.

Ein zentrales Einstellrad wählt die Eingangsquelle aus.

Zudem ist mit einem Schalter niedrige, mittlere und hohe Verstärkung vorwählbar. Die Lautstärkeregelung ist diskret mit einer Schrittweite von 0,8 dB.

Zur Funktionsweise des Geräts:

Die SPDIF-Eingangssignale werden von einem WM8804 SPDIF-Empfänger-Chip decodiert und entjittert. Die verwendete Uhr ist ein hochwertiges TCXO.

Das digitale Audiosignal wird dann in einen ADAU1451-DSP eingespeist, und zwar für alle Verarbeitungen, die die FF-Technik, den Crossfeed, die Kanalbalance, den Notchfilter und die Klangregelung betreffen. Nach der Verarbeitung wird das digitale Signal mit zwei WM8741 DAC-Chips im Dual-Mono-Modus in ein analoges Signal umgewandelt.

Jedes analoge Signal (insgesamt vier Signale als symmetrischer Verstärker) wird von einer einzigen Verstärkungsstufe verstärkt / gepuffert, wobei ein AD797-Opamp verwendet wird, der von zwei BUF634 gepuffert wird. Die Lautstärke wird eingestellt, indem der Rückkopplungswiderstand des Operationsverstärkers geändert wird. Dies führt zu einem viel niedrigeren Hintergrundrauschen und einer viel geringeren Verzerrung als bei einem herkömmlichen Ansatz mit einem Potentiometer vor einer Verstärkungsstufe mit festem Verstärkungsfaktor. Dieser Verstärker ist „schwarz“, sogar mit den empfindlichsten Kopfhörern.

Der USB-Eingang verwendet den CM6631 von C-Media, um Daten im asynchronen Modus von einem PC zu empfangen. Diese werden dann im SPDIF-Format an den WM8804 gesendet. Der Einsatz von extrem hochwertigen TCXOs garantiert einen sehr jitterfreien Betrieb. Der SOUL akzeptiert PCM-Signale mit Abtastfrequenzen von 32, 44,1, 48, 88,2, 96 und 192 kHz bei Bit-Auflösungen bis zu 24 Bit.

Die Energieversorgung verfügt über drei getrennte Spannungsversorgungen. Eine für den digitalen Abschnitt und zwei für die positive und die negative Versorgungsleitung der analogen Verstärkerstufe. Der Ausgang jeder Versorgung wird LC- oder RC-gefiltert und weiter heruntergeregelt unter Verwendung von analogen Spannungsreglern. Es gibt separate Regler für die Opamps und die Puffer. Eine große Pufferkapazität von über 60.000 uF führt zu sehr stabiler Versorgungsspannung. Die geschalteten Spannungsversorgungen arbeiten mit einer typischen Schaltfrequenz von 70 kHz. Dies ist weit über die Grenze des menschlichen Gehörs hinaus und daher ist jegliches durch die Versorgungen hervorgerufene Geräusch unhörbar. Es gibt kein Brummen oder irgendwelche hörbare Geräusche.

Wie oben bereits gesagt, konnte ich den SOUL mit einem Sennheiser HD800S und dem OMG Acedia 40 testen. Der Sennheiser HD800S ist ein sehr guter Hörer, der mich jedoch bisweilen mit seiner Eigenschaft, dass er die Musik quasi seziert, eher stört. Die Kerbfilterfunktion des SOUL treibt den HD800S jedoch außerhalb seiner Eigenresonanz … und offensichtlich ist genau diese Eigenresonanz der Störfaktor in meiner Wahrnehmung. Ich habe den HD800S noch nie so relaxed hören können wir an diesem SOUL. 

Der OMG Acedia 40 ist ein Magnetostat, der symmetrische Ansteuerung liebt. Ich betreibe diesen auch fast ausschließlich an einer symmetrischen Endstufe, der Violectric V280. Die extreme Auflösung der riesigen Magnetostatenfolie profitiert von dem zusätzlichen Stör-Signal-Abstand und der besseren Kanaltrennung im symmetrischen Betrieb. Die Möglichkeiten des SOUL in Kombination mit diesem Hörer machen wirklich extrem viel Spaß. Gerade die Crossfeed-Funktion und die klangbeeinflussenden Regler erlauben es, die recht lineare, jedoch leicht bassbetonte Haus-Signatur des Acedia 40 quasi auf beliebige Vorlieben, je nach Musik oder Hörer, umzustellen. Der Acedia 40 antwortet auch sehr gut auf die Klangbeeinflussung. Eine geniale Kombination, wie ich finde. 

Im Prinzip macht der SOUL alles richtig. Im Prinzip kann der SOUL durch seine klangliche Flexibilität auf höchstem Niveau eine Kopfhörersammlung deutlich verkleinern. Mir persönlich würde mit dem HD800S, dem Acedia 40 in Kombination mit dem SOUL fast nichts mehr fehlen. Fast. 

Ja … wie oben schon beschrieben, meinen geliebten STAX T1 Röhrenverstärker mit dem legendären SR-Lambda Signature würde ich dann schon gerne noch hinter den SOUL hängen. Einfach, um diese geniale SOUL Technik auch in meiner STAX Kette zu haben. Der SOUL kann das, analoge Ausgänge sind ja da. Testen konnte ich das leider nicht. Noch nicht. 

Zum Abschluß dieses Artikels noch der Hinweis: Der SOUL ist ein Prototyp. Jan Meier entwickelt noch. Und er hat einen aktuellen Rundbrief geschrieben, dort werden Meinungen der potenziellen Kunden im Vorfeld abgefragt, für Designentscheidungen, für kostentreibende Bauelemente. Es kann zum Beispiel Rückmeldung gegeben werden, welche Baugröße das Gehäuse haben soll. Oder ob die Lautstärkeregelung fernbedienbar sein darf. Sehr vorbildlich, wie ich finde. Der Rundbrief ist im Forum zu finden, und zwar hier: http://forum.prof-x.de/viewtopic.php?f=7&t=327#p5891

Im Forum gibt es auch einen Thread zum Meier Corda SOUL, dort werden alle Diskussionen um dieses wunderbare Stück Technik zusammengeführt. Es darf hier auch gerne mitdiskutiert werden, oder Rückmeldungen zu den Abfragen des Entwicklers gegeben werden. Hier der Link: http://forum.prof-x.de/viewtopic.php?f=7&t=327

Have Fun. 

Hans

Hans

CEO und Erfinder bei OMGSound
Teamcaptain Professor X
Berater, Blogger, Forenbetreiber
Hans

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4 Kommentare bei „Meier Corda – Das SOUL Projekt“

  1. […] News. Einen ausführlichen Bericht zu dem SOUL habe ich ja Mitte November hier veröffentlicht: http://blog.prof-x.de/2017/11/20/meier-corda-das-soul-projekt/ Hallo […]

  2. […] Hier zur Info das aktuelle Rundschreiben von Jan Meier zum Corda SOUL Projekt.  Konkret ist wohl eine gute Lösung zur Fernbedienung der Lautstärke gefunden worden. Den Newsletter veröffentliche ich hier ohne Ergänzungen oder redaktionelle Anpassungen als News. Einen ausführlichen Bericht zum SOUL gibt es hier: http://blog.prof-x.de/2017/11/20/meier-corda-das-soul-projekt/ […]

  3. […] Hier zur Info das aktuelle Rundschreiben von Jan Meier zum Corda SOUL Projekt.   Und seine Einladung zur AUDIOVISTA 2018, wo er neben seinem SOUL auch sehr interessante Kopfhörer von Focal und Hifiman dabei haben wird. Den Newsletter veröffentliche ich hier ohne Ergänzungen oder redaktionelle Anpassungen als News. Einen ausführlichen Bericht zum SOUL gibt es hier: http://blog.prof-x.de/2017/11/20/meier-corda-das-soul-projekt/ […]

  4. […] Hier zur Info das aktuelle Rundschreiben von Jan Meier zum Corda SOUL Projekt. Den Newsletter veröffentliche ich hier ohne Ergänzungen oder redaktionelle Anpassungen als News. Einen ausführlichen Bericht zum SOUL gibt es hier: http://blog.prof-x.de/2017/11/20/meier-corda-das-soul-projekt/ […]

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