Kurzreview: E-MU Purpleheart Headphone

Im Spätherbst 2017 erreichte mich die Benachrichtigung von Massdrop, dass ein neuer Drop des E-MU Purpleheart aktiv sei. Einige Monate zuvor hatte ich mehr im Affekt auf diesen Drop geklickt, weil der Begriff „Purpleheart“ seit ich den Fostex TH-X00 Purpleheart (Thread im Prof-X Forum | Blogbeitrag zum TH-X00) kenne und besitze, eine wohlige Erwartung in mir auslöst.

Nachdem ich das Ende des letzten Drops blöderweise verpasst hatte, schlug ich also dieses Mal postwendend zu. Für $84,99 erstand ich am 14.11.2017 diesen Hörer. Nach dem Ende des Drops zog Massdrop wie gewohnt die Zahlung per PayPal ein und gab den Hörer am 17.11.2017 in den Versand. Am 29.11.2017 erhielt ich die Information, dass die Sendung bei meiner örtlichen Zollstelle von mir abgeholt werden könne. Nach dem Entrichten der Einfuhrumsatzsteuer durfte ich den E-MU an mich nehmen, in Summe entstanden Kosten in Höhe von 88,32€ für diesen kleinen Ohrenwärmer.

Ganz unromantisch betrachtet ist der E-MU Purpleheart im Prinzip nichts anderes als eine Neuauflage des E-MU Walnut, des Creative Aurvana Live und des Denon AH-D1001, in chronologisch absteigender Reihenfolge. Wer also die reine Funktion möchte kann sich für weniger als 50 Euronen einen CAL! z.B. aus dem großen Fluß angeln. Mir war und ist aber in diesem Fall (ausnahmsweise) die Optik wichtig, ich stehe tierisch auf dieses Purpleheart Holz, das sich im Deutschen Purpurholz bzw. Amarant nennt.

Die Verarbeitung ist ausgesprochen gut, es sind keine scharfen oder unsauberen Kanten zu finden. Die Größenverstellung läuft ohne Spannung sehr gut, beim Tragen ist die Arretierung dennoch gegeben. Die Cups aus dem besagten Holz sind nicht perfekt, im Randbereich zeigen sich kleine Unebenheiten, die genau der Maserung folgen. Das Holz ist mit einer dünnen, samt-matten Schicht Klarlack überzogen, was sagenhaft gut aussieht und sicherlich der Konservierung förderlich ist. Im Zusammenspiel mit den restlichen Teilen des Hörers, die vornehmlich in schwarz gehalten sind, ergibt sich eine, wie ich finde, wunderschöne Optik. Durch das fast immer warm erscheinende Holz entsteht eine sehr angenehme Haptik, auch die auf den ersten Blick billig wirkenden Polster schmiegen sich selbst als Brillenträger nach kürzester Zeit rund um die Ohren. Mit zunehmender Wärme der Polster wird die Abdichtung besser und die Wahrnehmung als Fremdkörper geringer. Obwohl dieser E-MU als OnEar beworben wird, kann ich ihn, obwohl ich recht große Ohren habe, gerade so als OverEar tragen, was dem Seal natürlich förderlich ist. Der Kopfbügel ist für einen Hörer dieser Größen- und Preisklasse überraschend robust ausgeführt. Durch diese Umstände und das äußerst geringe Gewicht trägt sich er sich sehr, sehr gut. Bei längeren Hörsessions ist die systemisch bedingte Stauwärme etwas unangenehm. Kurz den Hörer anheben, durchlüften, weiterhören – kein Problem. Als einzigen störenden Aspekt möchte ich das Kabel anführen, das zwar sehr weich, leicht, angemessen lang und praktisch frei von Mikrofonie ist, aber blöderweise auf beiden Seiten verdreht eingebaut wurde – und zwar in dieselbe Richtung verdreht, sodass keine Chance der Korrektur besteht, ohne das Kabel zumindest einseitig zu entlöten oder das Treibergehäuse vom Kopfbügel zu lösen. Das nervt wirklich, die ersten 8cm ab dem Splitter unterhalb des Kinns sind grundsätzlich verdrillt.

Im Inneren des kleinen PH gibt es nicht viel zu sehen: Thread im Prof-X Forum

Technische Daten:

  • Massdrop x E-MU Systems
  • Design: Circumaural, closed back
  • Materials: Solid purpleheart wood, protein leather
  • Driver: 40 mm neodymium magnet, biocellulose diaphragm
  • Frequency range: 10 Hz–30 kHz
  • Impedance: 32 ohm
  • Sensitivity: 103 dB
  • Maximum input power: 1,300 mW
  • Connector: 3.5 mm gold-plated stereo mini plug
  • Cable: 4 ft (1.2 m) oxygen-free copper
  • Weight: 7.7 oz (219 g)

Quelle: Massdrop

 

Der E-MU Purpleheart ist wie seine Vorgänger und Brüder ein insgesamt recht dunkel bzw. warm abgestimmter Kopfhörer. Die Mitten sind dagegen zurückhaltend, während in den Höhen eine leichte Betonung zu finden ist. Man könnte von einer stark asymmetrischen, für meine Begriffe sehr gefälligen Badewanne sprechen. Die gemessene Präsenz im Bereich 3kHz fällt beim Hören nicht negativ ins Gewicht. Obwohl die Membranfläche des Treibers sehr gering ausfällt, erlaubt die Konstruktion aus Gehäuse, Treiber, Treiberträger und Polster eine saftige, spaßige Abstimmung. Die Auflösung leidet allerdings ganz leicht darunter, habe ich den Eindruck, das können die größeren Treiber von Foster, anders implementiert, besser.

Etwas auffällig ist, dass der kleine PH sich zwar mühelos an einem Smartphone betreiben lässt, dabei aber nicht die üblichen, ohrenbetäubenden Lautstärken üblicher Dynamiker mit kleinen Membranen erreicht.

Alles in allem würde ich den E-MU Purpleheart jederzeit wieder kaufen. Mein Plan ist es, ihn als kleinen, leichten und kompakten Reisehörer einzusetzen, der unterwegs ausreichend isoliert und Pegel liefert – ohne Bluetooth und Noise Cancelling. Für exakt diesen Anwendungsfall eignet er sich hervorragend. Auch Zuhause auf der Couch, im Bett oder auf dem Balkon macht er einen riesigen Job, ein wirklich einfacher, unkomplizierter Geselle und mit Abstand der mobilste meiner Kopfhörer.

Ein entsprechender Thread ist auch in unserem Forum zu finden: Massdrop x E-MU Purpleheart Headphone @ Prof-X Forum

 

Update 29.04.2018: Für die verdrillten Kabel gibt es zwischenzeitlich eine einfache, risikolose Lösung: http://forum.prof-x.de/viewtopic.php?f=5&p=8838#p8838

Dominik

Dominik

Moderator Professor X
Überzeugter DIYer, Kopfhörersympathisant, Musiker, Blogger
Dominik