STAX Vacuum Tube Driver [Teil 1 – Kleine Aufbereitung]

Am Beispiel eines STAX SRM-T1 möchte ich euch in diesem Beitrag zeigen, wie man eine „Kleine Aufbereitung“ – sprich, Reinigung – an einem STAX Vaccum Tube Driver vornimmt. Es geht in diesem Beitrag nicht darum, technische Veränderungen jedweder Art an diesem System vorzunehmen. Es muss schließlich eine Berechtigung für nachfolgende Teile dieser Beitragsreihe geben…. :mrgreen: 

Die gleiche Vorgehensweise ist übrigens auch für die Modelle T1S und 006T anwendbar – mit minimalen Abweichungen.

Vor den Arbeiten am Gerät sollte es bereits seit mehreren Stunden ruhen, ohne mit dem Stromnetz verbunden zu sein. Ich lasse Geräte gerne über Nacht liegen, damit gefährliche Spannungen abgebaut werden können.

Die Netzspannung stellt eine potenziell tödliche Gefahr dar! Das Gehäuse darf nur von fachkundigen Personen geöffnet werden.

Legen wir also los. Wie ein handelsüblicher SRM-T1 aussieht, verrät einem das Titelbild. Für das Entfernen des Gehäuses werden zunächst die insgesamt 4 relativ großen Kreuzschlitzschrauben an den beiden Seiten des Amps entfernt. Ich empfehle, eine kleines Gefäß zu benutzen, um alle Schrauben zu sammeln. Die Findigen unter euch werden schnell bemerken, dass ich für die Bilder nicht immer ein und denselben, sondern mehrere unterschiedliche T1 abgelichtet habe. Das Layout der Platine und die Schaltung haben sich nicht verändert, wohl aber z.B. die Verlegung der Kabel, etc.

Anschließend kann das Gehäuse in Form eines umgedrehten Us einfach nach hinten/oben abgezogen werden. Im Inneren erblickt man für gewöhnlich ein mehr oder weniger verstaubtes PCB und auffällige Bauteile wie einen großen Trafo, die Röhren und Elkos.

Für das weitere Zerlegen muss der Amp auf den Kopf gestellt werden. Ich empfehle, die ganze Demontage auf einer eher weichen Unterlage durchzuführen, um Kratzer am Gerät zu vermeiden.

Insgesamt müssen aus der Bodenplatte 12 Schrauben entfernt werden, die alle über Linsenköpfe verfügen. 4 dieser Schrauben verstecken sich in den Füßen, die in diesem Zuge ebenfalls entfernt werden.

Untenrum entblößt präsentiert sich der Amp dann ungefähr so:

An dieser Stelle möchte ich auf ein wichtiges Detail aufmerksam machen. Im Laufe des Lebenszyklus des T1 hat STAX den Umschalter für die Netzspannung (110V vs. 220V) von der Rückseite des Gehäuses auf die Unterseite des PCBs verlegt. Diese Maßnahme sollte seinerzeit Grauimporte verhindern – mit mäßigem Erfolg… Wer einen Schraubendrehen bedienen kann, stellt sich jeden Amp nach Lust und Laune selbst ein.

Die massive Front lässt sich entfernen, indem die beiden Schrauben an der Ober- bzw. Unterseite entfernt werden.

So ziemlich ohne Gehäuse sieht ein T1 dann – vor der Reinigung – so aus:

Im weiteren Verlauf widmen wir uns der Reinigung. Für gewöhnlich empfehle ich, zuerst das Anschlusspanel auf der Rückseite zu entfernen, damit die Cinch-Buchsen gereinigt bzw. geschliffen werden können. Kontaktprobleme an dieser Stelle sind eine der Hauptursachen für ein unsauberes Hörerlebnis. Es müssen zwei Schrauben entfernt werden, die sich unmittelbar ober- bzw. unterhalb der Cinch-Buchsen befinden. Dann lässt sich das kleine Panel entfernen, ohne die Leitungen von den Buchsen lösen zu müssen.

Im ausgebauten Zustand können die 4 Buchsen vorsichtig mit einem 1000er oder 1200er Schleifpapier für nasse Anwendungen geschliffen werden. Anschließend genügt ein Abwischen mit Reinigungsbenzin, einbauen, fertig.

Die bereits entfernten, großen Gehäuseteile können in einer großen Schüssel mit Seifenwasser und einem Küchenschwamm gewaschen werden. Ich rate dringend dazu, die harte, grobe Seite des Schwammes vor dieser Aktionen zu entfernen, damit die Teile nicht verkratzt werden. Ggf. muss eine solche Reinigung mehrfach erfolgen, über Jahrzehnte kann sich bekanntermaßen allerhand hartnäckiger Schmutz ansammeln. Nach der Reinigung bietet es sich an, alle Teile z.B. in der Dusche unter fließendem Wasser abzuspülen und anschließen trocknen zu lassen. Je nach Härtegrad des Wassers kann es im Anschluss erforderlich sein mit einem weichen Tuch verbleidene Flecke zu entfernen. Dafür kann z.B. ein Reinigungsbenzin oder auch ein Desinfektionsmittel benutzt werden.

Das Innere von Elektronik reinige ich bevorzugt mit einem Stoff Namens „Kontakt WL“. Besonders intensiven Staub kann man im Vorfeld auch mit einem großen, weichen Natur(!)haarpinsel entfernen. Das hatte ich in diesem Fall vor dem Einsprühen auch getan. Vor zig Jahren gönnte ich mir eine gebrauchte Creative X-Fi Xtreme Music SB0460 – von einem Raucher, wie sich später herausstellte. Naja, der Preis war sehr gut, die Funktion einwandfrei. Für die Reinigung dieser Karte suchte ich einen geeigneten Stoff, dem ich bis heute treu geblieben bin. Um das PCB und das Innere des Amps „zu waschen“ neigt man ihn am besten etwas und sprüht dann in mehreren Vorgängen das Kontakt WL von oben nach unten auf das PCB. Bitte nur im Freien oder gut belüfteten Räumen mit diesem Stoff arbeiten. Ihr werdet Augen machen, was da für ein Schmodder runter kommt…

Nach mehreren Wiederholungen auf der Vorder- bzw. Rückseite kann sich das PCB schließlich wieder sehen lassen.

Schaut euch doch spaßeshalber mal oben an, wie es vorher aussah.

Bei noch gröberen Verschmutzungen kann die Kontakt-WL-Kur übrigens mit einem Natur(!)borstenpinsel unterstützt werden. Nach der Reinigung muss der gesamte Amp komplett durchtrocknen, für mindestens mehrere Stunden. Auf keinen Fall darf er während dieser Zeit mit dem Stromnetz verbunden oder gar eingeschaltet werden!

Die Wartezeit kann beispielsweise dazu genutzt werden, den Lack an Gehäuseteilen auszubessern. Mich persönlich stören die kleinen, hell erkennbaren Stellen, an denen der Lack verloren ging.

Da wohl die meisten STAX Gehäuse schwarz sind, ist das Ausbessern hier relativ einfach. Sollten andere Farben benötigt werden, rate ich dazu, sich im Bad nach alten Nagellackfläschchen umzusehen. Das Zeug gibt es in Trillionen verschiedenen Farben und kann mit etwas Verdünnung leicht wieder nutzbar gemacht werden. Auch das Mischen ist problemlos möglich, wodurch fast jeder Farbton hergestellt werden kann. Zum Beispiel kann so der Indexpunkt auf dem Lautstärkeregler erneuert werden.

Für die Korrekturen am Gehäuse verwende ich einen seidenmatten Sprühlack in RAL 9005, tiefschwarz. Vor der Arbeit am Lack sollten die besagten Stellen mit Reinigungsbenzin fett- und staubfrei gemacht werden. Die Sprühdose wird zunächst gemäß aufgedruckter Anweisung geschüttelt. Dann wird ein kräftiger Sprühstoß z.B. in einen gründlich gewaschenen Joghurtbecher gegeben. In diese Pfütze wird immer wieder die Spitze eines Zahnstochers eingetaucht, die sich in Folge etwas vollsaugt. Mit diesem leistungsschwachen Minifüllfederhalter können die winzigen Makel oben ausgebessert werden. Lupe und LED-Taschenlampfe können dabei definitiv hilfreich sein.

Für meine Begriffe geht es gar nicht so sehr darum, eine perfekte Lackierung zu erzielen, sondern vielmehr darum, den hohen Kontrast zwischen dem Grundmaterial und dem umgebenden Lack zu minimieren. Nachdem die frische Farbe minimal angezogen hat, kann sie mit dem Finger leicht getupft werden, um überschüssige Farbe zu entfernen. Mit etwas Übung sind die erreichbaren Ergebnisse ziemlich brauchbar, finde ich.

Der Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge, anschließend ereignet sich das Freuen :)

 

Platz für Fragen, Anregungen, Rückmeldungen, etc. ist im entsprechenden Thread des Forums: STAX Tube Driver: Instandhaltung & Modifikation

Dominik

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Moderator Professor X
Überzeugter DIYer, Kopfhörersympathisant, Musiker, Blogger
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