[Review] JDS Labs ATOM Amp

Auch wenn viele Hersteller mit ihrer Preispolitik versuchen den Eindruck zu vermitteln, dass „teurer“ immer mit „besser“ gleichzusetzen ist, gibt es auch heute noch preislich sehr attraktive Produkte, die mit ihren inneren Werten zu überzeugen versuchen, selbst in der Hifi-Welt. Aufgrund einer Diskussion im prof-x Forum wurde ich in diesem Zusammenhang auf den neuen Headamp – also Kopfhörerverstärker – von JDS Labs aufmerksam. Dieser ist meiner Beobachtung nach eine konsequente Weiterentwicklung des in Hifi-Kreisen berühmten Objective2 des mittlerweile untergetauchten Entwicklers NwAvGuy.

Ich habe meinen ATOM bei Headsound gekauft, da mir ein Import aus den USA zu umständlich war. Obwohl die Versand-Dauer mit 8-10 Tagen angegeben war, traf die Sendung bereits nach 3 Tagen bei mir ein.

Das Unboxing des Geräts fällt erwartungsgemäß unspektakulär aus. Der Verstärker und der externe Transformator, den man auf den ersten Blick mit einem „vollwertigen“ Steckernetzteil verwechseln könnte, kommen in zwei separaten Schachteln daher. Der Trafo befindet sich zusätzlich in einem dünneren Umkarton, genau wie „früher“ beim Objective2. Der Amp teilt sich seine Box nur mit einer Garantiekarte und einer weiteren Karte, die die Durchführung der Qualitätsprüfung bestätigt. Thanks Dwayne :top:

Beim Auspacken fallen natürlich sofort das geringe Gewicht und die Oberflächenbeschaffenheit auf. Das gesamte Gehäuse des Amps besteht aus einem Kunststoff. Das macht wenig her, finde ich. Andererseits ist die Verarbeitung sehr gut, die Spalte gleichmäßig und die Oberflächen eben. Mir ist positiv aufgefallen, wie sauber und geruchlos das Gerät beim Auspacken war, das erlebt man auch bei neuen Geräten gerne mal anders. Auf der Unterseite befinden sich 4 weiche Gummi-Füße, die dem Gerät trotz des geringen Gewichts einen guten Halt auf glatten Oberflächen geben. Die meisten werden den Amp dennoch in irgendeiner Weise beschweren, da bin ich mir fast sicher.

Die Vorderseite bietet Platz für eine 6.3mm Klinkenbuchse, den Lautstärkeregler, der gleichzeitig als Einschalter dient, einen Knopf für die Gain-Vorwahl und einen weiteren Knopf für die Wahl des zu nutzenden Eingangs.

Die Rückseite beherbergt ein Paar Cinch-Buchsen als Ausgang, ein Paar Cinch-Buchsen als Eingang, eine 3.5mm Klinkenbuchse als Eingang und die Buchse für den Hohlstecker zur Spannungsversorgung. Zwischen den beiden Eingängen kann per Schalter an der Front entsprechend umgeschaltet werden, gegenseitige Verriegelung ist gegeben. Solange kein Kopfhörer an der Front eingesteckt ist, wird das Ausgangssignal an den Cinch-Ausgang an der Rückseite des Gerätes geleitet, beim Einstecken eines Hörers an der Front werden die Cinch-Buchsen stumm geschaltet. Auch in dieser Hinsicht entspricht der neue ATOM also einer Variante des Objective2, nämlich der Desktop-Version, und kann so als Vorverstärker eingesetzt werden. Habe ich im Moment nicht geplant, wäre aber später vielleicht sinnvoll.

Die Funktionen des ATOM sind so einfach wie überschaubar gehalten. Für mich ist aktuell nur eine Konstellation interessant, nämlich die, den Cinch-Eingang auf der Rückseite und den 6.3mm Klinkenbuchsen-Ausgang an der Front zu nutzen. Beim Einschalten des Gerätes ertönt ein leiser Klick, verursacht durch das Poti mit integriertem Ein-/Ausschalter. Kurze Zeit später, in der Doku ist von 0,5s die Rede, was ich für realistisch halte, schaltet ein kleines Printrelais die Signalwege frei. Von Ein- und Ausschalt- „Ploppen“ ist keine Spur zu hören, auch nicht mit empfindlichen InEars. Für den günstigen Preis bedient sich das Poti sehr satt, es läuft gerade schwer genug um wertig zu wirken, gerade leicht genug um den Amp nicht vom Tisch zu heben. Der Drehknopf an sich könnte aus einem höherwertigen Material bestehen und etwas länger sein. Mit meinen relativ kleinen Händen habe ich bei der Bedienung trotzdem überhaupt kein Problem. Den Gleichlauf habe ich direkt mal mit meinen beschränkten Bordmitteln gemessen:

Die Messungen entstanden bei einem Input von etwas über 1,9V RMS, bei 50Hz und in der höheren Gain-Stufe. Zu sehen ist die Differenz zwischen dem linken und dem rechten Ausgangssignal. Die „Uhrzeit“ repräsentiert die Position des Drehknopfes.

Gehäuse und Potiknopf aus Metall und eine auf digitalen Potis basierende Lautstärkeregelung 🤤 wären die einzigen möglichen und sinnvollen Verbesserungen, die mir adhoc einfallen. Und nicht unerwähnt sollte der relativ hohe Standby-Verbrauch des Netzteils bleiben, der mit gut 2W relativ üppig ausfällt. Würde ich nicht dauerhaft eingesteckt lassen. Im normalen Betrieb gönnt sich das Gesamtkunstwerk knappe 5W, was super ist.

Der Vollständigkeit halber seien an dieser Stelle nochmal die technischen Daten laut Hersteller gelistet:

Frequenzbereich 20Hz – 20kHz +/- 0,01dB
THD+N 1kHz, 32 Ω 0,0008%
THD+N, 20Hz-20kHz, 32 Ω 0.0012%
IMD CCIF 19/20kHz 32 Ω 0,0002%
IMD SMPTE 32 Ω 0,0005%
Noise, A-Weighted -114 dBu
Crosstalk @ 150 Ω -87 dB
Ausgangsimpedanz 0,7 Ω
Kanalgleichlauf +/- 0,6 dB
Sinusleistung, 600Ω 125mW (8.68 VRMS)
Sinusleistung, 150Ω 502 mW (8.66 VRMS)
Sinusleistung, 32Ω 1 Watt (5.66 VRMS)

 

Der ATOM gibt sich beim Klang ganz wie ein ordentlich aufgebauter, solider KHV. Er ist einfach ein pegel- und stromerhöhender Draht, vereinfacht und idealisiert ausgedrückt. Angeschlossene Hörer bleiben totenstill, auch auf der hohen Gain-Stufe und bei Potistellungen jenseits der 03.00 Uhr. Zu hören ist eine Stille, die in manchen Reviews vielleicht als „Schwärze“ bezeichnet werden würde. Der Elegia, den ich die Tage leihweise hier hatte, dichtet den Schall von außen zusätzlich so sehr ab, dass man das eigene Blut in den Ohren rauschen hören kann. Ein irrer Effekt. Nutzt man beide Geräte bestimmungsgemäß, kommt man in den Genuss des wohl technisch saubersten Klangs überhaupt. Kann man die genialen Messwerte des ATOM dabei dezidiert heraushören? Ich glaube nicht. Dennoch liefert er ein sattes, hochdynamisches, sauberes, sauberes und vor allem sauberes (schrieb ich schon sauberes?) Klangerlebnis. Einen Eigenklang kann ich ihm nicht zuordnen. Für Hörer wie den Elegia, einen TH-X00 oder einen HD58X reichen die niedrigere Gain-Stufe und Potistellungen bis 12.00 Uhr für die meisten Fälle völlig aus. Für Magnetostaten bietet sich die höhere Gain-Stufe an. Ich habe in meinem Sortiment keinen dynamischen, magnetostatischen oder BA-Hörer, den ich nicht zu meiner vollen Zufriedenheit am ATOM betreiben kann. Das quasi nicht vorhandene Rauschen wirkt sich natürlich insbesondere bei InEars deutlich positiv aus, ebenso wie die geringe Ausgangsimpedanz der Klinkenbuchse.

Die für mein Interesse ausschlaggebenden Messungen sind auf AudioScienceReview zu finden, einer sehr empfehlenswerten Seite für den authentisch, technisch interessierten Hifier.

Dem JDS Labs ATOM spreche ich eine klare Empfehlung aus :mrgreen:

Dominik

Dominik

Moderator Professor X
Überzeugter DIYer, Kopfhörersympathisant, Musiker, Blogger
Dominik

Ein Kommentar bei „[Review] JDS Labs ATOM Amp“

  1. […] Zwischenzeitlich ist im Blog auch ein Review zu diesem wirklich tollen Gerät erschienen: [Review] JDS Labs ATOM Amp […]

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