STAX Vacuum Tube Driver [Teil 5 – Ultimativer Vergleich]

Entgegen der ursprünglichen Planung – wenn man davon überhaupt sprechen kann – habe ich beschlossen, meinen geliebten STAX Vacuum Tube Drivern einen weiteren Beitrag, nämlich einen „ultimativen“ Vergleich, zu widmen. Bei der Lektüre der 4 (bzw. 5) ursprünglichen Beiträge ist mir klar geworden, dass ich vor allem auf die Technik und die sich sofort einstellenden Veränderungen eingegangen bin. In diesem Beitrag behandle ich den sauberen Vergleich der Geräte und ihrer Zustände untereinander, ohne Berücksichtigung der jeweiligen, technischen Herausforderungen.

Die bisherigen Beiträge dieser Reihe können hier direkt geklickt und gerne (nochmals, wer schon hat ;)) gelesen werden:

STAX Vacuum Tube Driver [Teil 1 – Kleine Aufbereitung]

STAX Vacuum Tube Driver [Teil 2 – Technische Überholung]

STAX Vacuum Tube Driver [Teil 3 – Output Stage Mod]

STAX Vacuum Tube Driver [Teil 4 – ECC99 Tube Swap]

STAX Vacuum Tube Driver [Teil 2.1 – Ergänzung zur technischen Überholung]

Ziel dieses Vergleiches ist es, die klanglichen Unterschiede der verschiedenen Entwicklungsstufen herauszuarbeiten und in irgendeiner, möglichst nachvollziehbaren,Weise zu vertextlichen. Welche Unterschiede dabei gemessen und welche gehört werden (können), sind im Folgenden beschrieben.

Doch fangen wir am besten von ganz vorne an. So sehen die Teilnehmer dieses Vergleichs aus:

Als Vergleichsinstrument kommt ein vollständig überholter STAX Lambda Nova Signature mit L300 Limited Kopfband und EP-507 Echtlederpolstern zum Einsatz. Ein tatsächlich einzigartiger Highend-Hybrid, wie der geneigte Leser und Kenner weiß.

Außerdem habe ich mit einem aktuellen SR-L700, der mir freundlicherweise von Dirk (bekannt als Diego Dee) ausgeliehen wurde, nachvollzogen, wie sich die Modifkationen auf das Flaggschiff der modernen Advanced Lambdas auswirken. An dieser Stelle nochmals vielen, vielen Dank, Dirk 🙂

Wie zu sehen ist, beziehungsweise, genau genommen, nicht zu sehen ist, kann alleine anhand der Optik der Front des Gerätes nicht festgestellt werden, welche Modifikationen es bereits erfahren hat, alles stealth gewissermaßen. Obwohl die Farben der Fronten in dem Bild oben leicht unterschiedlich erscheinen, wirken sie in echt quasi identisch. Diese 4 Status treten jedenfalls bei diesem Vergleich gegeneinander an:

  1. STAX SRM-T1 im marktüblichen Zustand ohne jegliche Veränderungen

  2. STAX SRM-T1 kosmetisch aufbereitet, technisch überholt und abgeglichen

  3. STAX SRM-T1 wie 2. aber zusätzlich mit CCS modifiziert

  4. STAX SRM-T1 wie 3. aber zusätzlich auf ECC99 GOLD Röhren umgebaut

Die inneren Werte der Kontrahenten unterscheiden sich im Gegensatz zur äußeren Erscheinung mehr oder weniger deutlich voneinander, wie auch der geneigte, aber technisch weniger bedarfte Leser einfach erkennen kann:

Mehr Details zu den einzelnen Entwicklungsstufen und den entsprechenden technischen Details sind in den einzelnen Beiträgen zu finden, die zu Beginn dieses Beitrags verlinkt sind. Für den Abgleich der Pegel für Links und Rechts und zwischen den Amps habe ich ein nagelneues Testo 760-2 Digital-Multimeter benutzt.

Alle Verstärker hängen mit handelsüblichen Kaltgerätekabeln (ich Schuft) gemeinsam an einer Steckerleiste. Als Quelle dient mein PC, der über Foobar2000 und einen S.M.S.L. M8 DAC digitale Musikdateien im FLAC Format in die analoge, hochohmige Domäne übergeben kann. Zwischen dem DAC und den Amps befindet sich mein RelayAudioSwitch (wir berichteten ;)), der ein schnelles und sauberes Umschalten des Eingangs auf einen der vier Ausgänge ermöglicht. Natürlich muss der im Einsatz befindliche Hörer jeweils manuell umgesteckt werden, was aber innerhalb von Sekunden zu meistern ist. Extra für diesen Vergleich einen weiteren Umschalter für STAX Pro Ausgänge zu entwickeln habe ich mir ausnahmsweise verkniffen… Zur Verkabelung des Audiosignals setze ich auf solide Cinch-Leitungen von Cordial (ich Schuft²).

Vor Beginn des Vergleichs habe ich alle Teilnehmer für über 30 Minuten auf Temperatur kommen lassen. Gerade bei Röhrengeräten ist dies eine ratsame Spanne, wenn auch kein Muss. Auch den jeweils zum Einsatz kommenden Lambda habe ich für diese Zeit an einem der Amps eingesteckt belassen, damit sich die Diaphragmen aufladen können. Ist sicherlich ein etwas übertrieben konservatives Vorgehen, ich wollte aber sichergestellt wissen, dass gehörte Unterschiede später nur durch den technischen Zustand des Gerätes verursacht werden. Während des Tests war jeweils nur ein Hörer im Umlauf bzw. an einem Amp eingesteckt. Was die Auswahl der Musik angeht, habe ich mich bei Steven Wilson, Purcupine Tree, Natalie Merchant, Antonio Vivaldi, Miss Monique und Yello bedient.

 

Kommen wir zum eigentlichen Vergleich, der natürlich ausschließlich meine persönliche und zwangsweise subjektive Meinung abbildet:

Ein STAX SRM-T1 Vacuum Tube Driver ist in seiner ursprünglichen, technischen Umsetzung ein ausgesprochen guter Verstärker für Elektrostaten der STAX Lambda Reihe. Ich kann mich noch sehr genau an meine erste Hörsession mit einem Amp dieses Typs im Zusammenspiel mit meinem ersten eigenen Lambda Pro erinnern. Wer sowas zum ersten Mal hört, wird wahrscheinlich, wie ich, ziemlich von den Socken sein. Jedenfalls, bei dieser Combo ist man z.B. bei Klassik sowas von direkt am Geschehen, dass es nur so eine Freude ist. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt beinahe spontan vergessen, dass diese Verstärkertechnik tatsächlich älter ist als ich es bin. Diese beschwingte, aber kräftige Spielweise des T1 in Kombination mit locker ausreichender Leistung und einer guten Prise Röhrenschmelz ist beinahe unverwechselbar. Allerdings, das muss erwähnt werden, sind heute natürlich vor allem solche T1 im Umlauf (wahrscheinlich zumeist zwischen Privatpersonen), die seit ihrer Geburt keine oder wenig Pflege erlebt haben, was sich gerne mal in einem Fitzeln hier, einem Sirren da, einem Rauschen dort, usw. bemerkbar macht. Dies gilt natürlich gleichermaßen für Hörer der Lambda-Reihe ähnlichen Alters. Ohne einen direkten Vergleich und mehr oder weniger anspruchsvolle Ohren und Messmethoden ist es daher vielleicht überhaupt nicht möglich, auf mögliche, sich schleichend einstellende Fehler aufmerksam zu werden. Es kann daher gut sein, dass ein T1, so gut er auf den ersten Hör‘ auch klingen mag, hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt.

Und genau an diesem Punkt spielt ein überholter T1 seine Trümpfe aus. Es liegt auf der Hand, dass auch oder gerade eine alte Schaltung, bestückt mit neuen und zugleich größeren Elkos, neue (ggf. NOS) Röhren und einem frischen Abgleich das wieder herausholen und sogar leicht verbessern kann, was Ende der 80er Jahre bei STAX Stand der Röhrentechnik war. Da in meinem Fall auch immer eine gründliche Reinigung und der Einbau von Sicherheitswiderständen einher gingen, ist die Betriebssicherheit für die nächsten Jahre kein Problem mehr. Zudem sind angeschlossene Hörer und Hörende vor einem spontanen Versagen der Bias-Versorgung und/oder  der Röhrenendstufen geschützt. Kleinere Unsauberkeiten und Kanalungleichheiten sind damit in jedem Fall passé, die zeitlich zugehörigen Lambda Vintage Hörer Pro, Signature und wie sie alle heißen, laufen zu ihrer früheren Bestform auf, sofern ihr individueller Zustand dies wiederum zulässt. Die besagten positiven Eigenschaften, die ich bereits oben im Bezug auf den T1 beschrieben hatte, bleiben vorhanden, wenn auch die Verzerrungen in einem manchmal hörbaren Maß zurück gehen, gerne auch auf der einen Seite mehr als auf der anderen Seite.

Einen deutlichen Fortschritt in Richtung Klangverbesserung zieht das Durchführen des CCS-Mods nach sich. Und zwar in einer Größenordnung, die mich selbst überrascht hat und auch in diesem direkten Vergleich erneut begeistert. Warum aus einer technischen Blickrichtung mit einem relativ deutlich messbaren Einfluss zu rechnen war, geht aus den Erklärungen im dritten Blogbeitrag hervor. Diese Umstände der technischen Verbesserungen kann ich mit meinen Möglichkeiten leider nicht messtechnisch überprüfen. Ich zitiere mich an dieser Stelle einfach mal selbst (sinngemäß): Kontrolle, Dynamik und Ordnung nehmen deutlich zu. Anhand dieser Stelle des Songs (Klick!) Anesthetize von Porcupine Tree wird der Zugewinn an Qualität besonders transparent erkennbar. Die Kombination aus Gitarrenriff und Breaks im Drumset zeigen Schwächen hinsichtlich Kontrolle schonungslos auf. Konkret diese Stelle (natürlich nicht über Youtube) benutze ich häufig, um Systeme auf genau diese Eigenschaft hin zu prüfen. Hört man eine ganze Weile nur mit einem in solcher Weise umgebauten Amp in der Kette, ist der Verlust (ein großes Wort, ich weiß) an Qualität bei einem Wechsel auf einen Amp im Serienzustand besonders ohrenscheinlich. Es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, dass die Modifikation einige Gefahren mit sich bringt und eine saubere Umsetzung inkl. vorheriger technische Überholung daher obligatorisch ist, worauf auch der Erfinder dieses Mods, Jim Lin, hinweist. Ich tue mich schwer damit, wenn jemand von steileren Gradienten schreibt, denke aber, dass genau diese Eigenschaft an einem T1, T1S oder 006T durch die Modifikation verbessert wird. Bemerkenswert finde ich, dass der Röhrencharakter des Amps trotz allem nicht verloren geht. Mehr brauche ich eigentlich nicht.

Wem das trotzdem nicht genug ist, der baut sich seinen T1 auch noch auf ECC99 Röhren um. Dazu gibt es zahllose Anleitungen im Netz, wobei ich vielleicht der einzige oder zumindest einer von sehr wenigen bin, die sowohl den CCS-Mod als auch den Umbau auf ECC99 Röhren an ein und dem selben Amp vorgenommen haben. Diese höchste Ausbaustufe, an die ich mich bisher heran gewagt habe, nutzt die Tatsache, dass die ECC99 Röhren bis 400V spezifiziert sind, also deutlich höher als die Standard-Röhren. Dies hat zur tatsächlich hörbaren Folge, dass selbst ein bereits überholter und CCS modifizierter Amp nochmal eine -zugegeben, kleine – Schippe nachlegt. Gerade bei höheren Lautstärken sorgen die ECC99 insbesondere im Bass für mehr Sauberkeit und Substanz, das lässt sich bei guten und/oder besonders fordernden Aufnahmen doch unterscheiden, wenn auch nicht bei jedem Lambda gleich deutlich. Die hängt womöglich damit zusammen, dass auch der Arbeitspunkt der Röhren so angepasst wurde, dass er in einem lineareren Bereich der Kennlinienschar liegt. An dieser Stelle zitiere ich einfach mal zwei Hifi-Verrückte, die ebenfalls einen T1 im Vollausbau besitzen:

Ich war unsicher, ob ich mit dem Abstand von 1 oder 2 Wochen ohne Vergleich einen Unterschied wahrnehmen würde. Aber es war einfach, so deutlich hätte ich die Steigerung von Dynamik, PRaT und Durchhörbarkeit im Sinne von Klarheit nicht erwartet. Diese Modifikation ist sensationell, ein großes Lob an Dominik. […] FANTASTISCH :yeah:

Ich kann diese Modifikationen nur wärmstens empfehlen. Nach Dominiks Schilderungen war mir schon klar, dass das ein Schippchen draufsetzt. Nun ist der T1 von Hause aus ja kein schlechter Verstärker. Da kann man sich kaum vorstellen, was da noch geht. 

Aber …

Es geht so einiges. Ich habe meinen T1 faktisch nicht mehr wiedererkannt. Deutliche Steigerung in Impulsivität und auch klanglich auf einem anderen Niveau. ‚Seidig‘ fällt mir grad ein, ich bin aber kein Meister des Schwurbelns. Einfach schöner als vorher. Und die Latte hing halt schon recht hoch. 

Die Modifikation lohnt sich, sage ich aus Überzeugung. Würde ich sofort wieder machen (lassen).

Ich betreibe den umgebauten T1 seit gestern und bin ich überrascht. Der klang hat sich Enorm verbessert,hätte ich nie für möglich gehalten.Sehr empfehlenswert.Grosse Lob an Dominik.

Dem kann ich nichts hinzufügen.

Im Bezug auf die Hörer, die für diesen Vergleich zum Einsatz kamen, kann man sagen, dass der L700 insgesamt besser mit den Amps skaliert als der LNS (Wer hätte gedacht, dass ich sowas mal schreibe…?). Dies trifft auch auf einen SR-404 Limited zu. Warum das so ist, kann ich mir nicht schlüssig erklären. Fest steht aber auch, dass mit einem LNS, einem Signature oder gar schon mit einem SR-303 die Unterschiede zwischen den ersten drei Teilnehmern dieses Vergleichs relativ mühelos festgestellt werden können. Gerade beim Wechsel zwischen 2. und 3. sind die Unterschiede in der Sauberkeit und Impulstreue immens. Mein Hauptvergleichsinstrument erscheint aufgrund seiner eher entspannten Abstimmung zunächst nicht als kritischer Kandidat, deckt aber aufgrund seiner enormen Detailtreue gerne mal die eine oder andere Schwäche auf. Der L700 ist ihm in dieser Hinsicht sogar noch überlegen, er profitiert am deutlichsten von den Mods, ist aber auch am kritischsten was den „handelsüblichen“ T1 angeht. Dazu diese geniale Ergonomie… da könnte ich tatsächlich irgendwann mal schwach werden…

 

Schlussendlich ist es wirklich egal, welchen Lambda welcher Epoche ich anschließe, es profitieren alle von dem Aufwand, der in den Amp gesteckt wird. Die folgende Grafik soll die Gemengelage der Amps untereinander darstellen, auf eine Skalierung habe ich verzichtet :coffee:

Legende: 1. ≙ grau, 2. ≙ blau, 3. ≙ grün, 4. ≙ gold

  

Mein abschließendes Fazit:

Das Bessere war, ist und bleibt der Feind des Guten.

In diesem Sinne: :bier: :kh:

Dominik

Dominik

Moderator Professor X
Überzeugter DIYer, Kopfhörersympathisant, Musiker, Blogger
Dominik